Archiv der Beiträge zum Thema ‘Nachgedacht’

Was treibt mich an?

Der Sommer ist vorbei und ich habe ihn nicht wirklich zum Laufen genutzt. Vielmehr war ich mit dem Rad unterwegs (denn da kann man auch ohne allzu viel Kondition zwei Stunden und mehr untewegs sein) und habe meine alten Laufwege lange Zeit nicht besucht. Doch jetzt, da es k√ľhler und das Wetter auch deutlich unangenehmer wird, dr√§ngt es mich mehr und mehr wieder zu den altbekannten Runden. Wo ich mich mit dem Rennrad eher als Weichei auf die heimische Rolle verziehe, kommt mir der Herbst mit Regen und Wind sehr entgegen – ein Sch√∂nwetterl√§ufer war ich halt nie. Doch auch die Sonnenseiten des Oktobers reizen; noch einmal Sonne tanken und – soweit es die Umst√§nde zulassen – vor dem immer fr√ľher einsetzenden Dunkel eine Runde laufen.

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Manche Dinge kann man nicht kaufen…

WolkenhimmelDas Laufen kann man sich im Allgemeinen so angenehm gestalten, wie man es sich nur vorstellen kann: Hightech-Laufschuhe, MP3-Player, Funktionskleidung, Uhr mit GPS, etc. Im Laufe (wahnsinnig gewitztes Wortspiel…) der letzten Jahre habe ich so ziemlich jeden n√ľtzlichen und unsinnigen Schnickschnack f√ľrs Laufen angesammelt, den man sich vorstellen kann. Von der polarisierenden Sonnenbrille bis zur √úbergangsjacke – es gibt nichts, was es in meinem Schrank nicht gibt. Und dennoch hilft einem all dies nur bedingt, wenn es um das eigentliche Laufen geht.
In der Marathonvorbereitung braucht es n√§mlich vor allem eines: Disziplin. Zum Beispiel die Disziplin, das Haus zu verlassen und nicht eher wieder zur√ľckzukehren, bis 30 km hinter sich gebracht sind. Auch wenn es hart ist pers√∂nliche Grenzen zu verschieben – manchem Muskelkater stellt man gerne noch eine Schale Milch hin und freut sich √ľber die eigene Leistung. So eine Erfahrung kann man f√ľr Geld nicht kaufen.




Der letzte Tag?

SommerendeW√§hrend meines Urlaubs war ich zugegebenerma√üen vom Wetter etwas entt√§uscht. Sollte der Sommer etwa schon zu Ende gegangen sein? Ich hatte mich doch noch gar nicht richtig verabschiedet. Doch dann: In den vergangenen Tagen kam die Sonne mit ihrer W√§rme noch einmal angenehm zur√ľck. Eigentlich m√ľde vom erneuten Tempolauf am Mittwoch h√§tte ich durchaus eine kurze Pause gebrauchen k√∂nnen, doch das sch√∂ne Wetter kann man einfach nicht ignorieren (vor allem, wenn einem noch so viele Kilometer f√ľr die angepeilte Monatsleistung fehlen). Also Schuhe geschn√ľrt und raus. Gute eineinhalb Stunden bin ich in abendlich angenehmer W√§rme unterwegs und habe schlie√ülich 16 km hinter mir.

Noch am Abend erreicht uns der Regen und es k√ľhlt ab. Guten Gewissens kann ich auf jeden Fall sagen, dass dies ein guter Laufsommer war. Nun bin ich auf Herbst eingestimmt. Meine diesj√§hrigen Laufschuhe von Asics haben bereits am Wochenende die 1000er Marke √ľberschritten und werden bald in den verdienten Ruhestand treten. Ich bin bereit f√ľr die dunkle Jahreszeit.




Zur√ľckgelassen

Die vergangenen Tage waren sehr schwierig und von Traurigkeit gepr√§gt. Es gibt Ereignisse, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Abstand und Stille nach au√üen m√∂gen eine M√∂glichkeit sein, mit Unerwartetem fertig zu werden. Auf der anderen Seite steht das hohe Gut, Trost spenden, aber auch empfangen zu d√ľrfen.

Ein Lauf √ľber altbekannte Wege, Ablenkung durch Intensit√§t bis hin zur v√∂lligen k√∂rperlichen Ersch√∂pfung. Intervalltraining und lange L√§ufe bringen Belastungen, wie ich sie mir lange nicht mehr zugemutet habe und vertreiben die Schwere zumindest f√ľr kurze Zeit. Das mag meine Art der Bew√§ltigung sein.
Was bleibt, sind Erinnerungen gegen das Vergessen und die Hoffnung, die geschenkte Zeit genutzt zu haben.




Was kann ich bloß schreiben?

42195-blog.deDie Frage nach Sinn und Motivation des Bloggens f√ľr einen L√§ufer tritt immer wieder zu Tage. Manchmal in der Form, dass ein langzeitlicher Blogger von jetzt auf gleich beschlie√üt, dass er nichts mehr mitzuteilen hat. Alles ist bereits geschrieben worden und es bedarf keine x-te Wiederholung der Beschreibung des immer wieder gleich Erlebten. Ein Recht, dass jeder wahrnehmen sollte, wenn ihm danach ist; k√∂nnen wir in unseren Breiten doch gl√ľcklich dar√ľber sein, selbst entscheiden zu d√ľrfen, ob und wie wir uns kundtun wollen.

Auch mir stellt sich des √∂fteren die Frage nach dem Warum. Die Welt hat sicherlich nicht vor Spannung zitternd auf mein Verfasstes gewartet. Anleitung oder Motivation f√ľr andere sein scheidet auch aus – daf√ľr reicht meine Selbst√ľbersch√§tzung dann doch nicht. Der einzige Grund, der sich nachhaltig bei mir durchgesetzt hat ist das Festhalten von Erinnerungen – f√ľr mich selbst. Habe ich eine gute Zeit? Geht es mir schlecht? Bin ich nachdenklich? Einen Beitrag zu verfassen bietet stets die M√∂glichkeit eine Momentaufnahme der eigenen Wahrnehmung f√ľr die sp√§tere Begutachtung festzuhalten. Direkt vom Kopf √ľber die Tastatur ins Netz; ungefiltert und bar jeder journalistischen Anonymisierung.

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Stöckchenkrieger

Endlich ist es soweit: Abends zu Hause ankommen, die Sonne scheint noch und es ist sogar angenehm warm. Grund genug, sofort in die Laufklamotten zu wechseln und eine Runde zu drehen.
Die Natur ist friedlich und in freudiger Erwartung des baldigen Sonnenuntergangs. Doch was ist das? Dieser L√§rm? Ich dachte zun√§chst an einen Kindergartenausflug – die Ger√§usche waren aber auf Entfernung noch schwierig zuzuordnen – doch abends um sieben?. Dann biege ich um eine Ecke und sehe sie: Die Armee aus St√∂ckchenkriegern (bzw. Kriegerinnen). Allesamt Damen im fortgeschrittenen Rentenalter, die – von grellfarbenen Trainingsanz√ľgen ummantelt – ihren Abendspaziergang mit Pseudosport absolvierten.

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R√ľckblick

Zu erst einmal euch allen ein frohes neues Jahr. Mag sich jeder realistische Ziele setzen, damit auch eine Chance besteht, die guten Vorsätze einzuhalten.

Die Notwendigkeit guter Vors√§tze bringt mich vor allem zu einem R√ľckblick auf das Jahr 2008. Auf den ersten Blick ein ziemlich beschissenes Jahr – zumindest aus sportlicher Sicht betrachtet. Ich muss mir im Blick auf das gesamte Jahr jedoch eingestehen: So schlimm war es gar nicht. Im Gegenteil. Ich denke es trifft viel eher die Frage zu, die sich Thomas D seinerzeit in einem seiner d√ľster-traurigen Songs stellte: Ob man f√ľr jeden Tag im Himmel einen in der H√∂lle kriegt?
Es stimmt, in der letzten Zeit bzw. den letzten Monaten ist bei mir wirklich nicht viel zusammengelaufen (tolles Wortspiel). Doch vor einem Jahr habe ich angefangen, die richtig langen Läufe zu absolvieren. Im Mai bin ich tatsächlich einen Marathon gelaufen; eine Leistung, die mir zum jetzigen Zeitpunkt wieder so völlig absurd unschaffbar vorkommt wie all die Jahre zuvor. Erst in der Mitte des Jahres ging es abwärts: Langwierige Krankheit, der Wechsel vom Studium in die Arbeitswelt und der damit verbundene Mangel an freier Zeit. Und zuletzt hatte ich noch einen extrem arbeitsreichen Dezember mit einer abschließenden Erkältung, die mir jede Chance auf einen Halbmarathon oder Silvesterlauf zum Jahresende genommen hat.

Eine genaue Auswertung habe ich noch nicht vorgenommen; ich habe viele Ziele verfehlt und läuferisch wirklich eine miese zweite Jahreshälfte gehabt. Dennoch bleibt zunächst einmal eine Summe von gut 1.500 km in 2008 stehen, ein Marathon in gut vier Stunden, ein erster offiieller Halbmarathon und meine bisher schnellste Zeit auf 10 km. Alles also gar nicht so schlecht Рzumindest im Jahresdurchschnitt betrachtet.

Im zweiten Halbjahr habe ich sogut wie alles wieder verloren, was ich mir in der ersten H√§lfte aufgebaut hatte. Klar, Erfolg ist leicht zu bekommt aber schwierig zu behalten – das gilt sicherlich auch, wenn man es auf die eigene k√∂rperliche Verfassung bezieht. Doch was ich vor etwa eineinhalb Jahren ernsthaft begonnen habe, sollte doch wieder machbar sein, oder? Wenn nicht, k√∂nnte ich meine Laufschuhe wegwerfen und diesen Blog f√ľr immer schlie√üen. Das soll ja nicht sein. Auch 2006 habe ich schon im Winter angefangen. Genau genommen am zweiten Januar. Vor genau drei Jahren habe ich meinen ersten gezielten – nicht nur aus Spa√ü an der Freude begr√ľndeten Lauf hinter mich gebracht. F√ľr die knapp 3 km habe ich seinerzeit knapp √ľber 20 Minuten gebraucht. H√§tte ich im Sommer einen ernsthaften Versuch gewagt, w√§re ich auf 3000 m wohl auf 13-14 Minuten gekommen. Im Augenblick? W√§re ich mit 17 wohl zufrieden.

Dass es auch schlecht laufen kann, daran denkt man eigentlich nie – bis es soweit ist. F√ľr mich stellt dieser R√ľckblick jedoch einen Ansporn dar. Ich sehe, wo ich schon √ľberall war, was ich schaffen konnte. Wieviel Aufwand daf√ľr n√∂tig war und wie leicht er mir doch meist gefallen ist. Ein gesundes Mittelma√ü sollte auch zuk√ľnftig wieder zu schaffen sein. Und was w√§re wohl ein besseres Datum daf√ľr als die Zeit der guten Vors√§tze? Mein historischer 2.1.?




Wie viele andere…

  • stehen wie ich morgens unter der Dusche und fragen sich, ob das mit dem Marathon wirklich eine gute Idee war?
  • k√∂nnen sich nicht entscheiden, welche Kleidung sie tragen werden, weil das Wetter so wechselhaft ist?
  • haben Angst vor der Mauer oder davor eins mit dem Hammer √ľbergebraten zu bekommen?
  • wollen auch den Lauf genie√üen und beten trotzdem darum, dass er schon vorbei sein m√∂ge – und zwar nach 42,195 km und kein bisschen eher?
  • wissen ebenfalls, dass es keine Garantie f√ľr den Erfolg gibt, egal wie viele Kilometer man im Vorfeld gelaufen ist?
  • finden die Idee, von Dortmund nach Essen zu laufen eigentlich total bescheuert, da man auch den Zug nehmen k√∂nnte?



So, Feierabend, Emma.

oder: Ich bin kein Gesundheitsläufer!

Langsam kehrt wieder Ruhe ein. Nach dem Sturmlauf am Samstag und dem gestrige Ruhetag konnte ich heute feststellen, dass sich Sturmtief „Emma“ tats√§chlich langsam zur√ľckzieht. Es ist zwar f√ľr hiesige Verh√§ltnisse immer noch ziemlich windig, doch das hilft, die dicken Wolken zu vertreiben.
Vom Wind gefordert, aber nicht √ľberfordert, z√ľgig voran, Runde f√ľr Runde – das Laufen heute tat richtig gut. Kein Luschi-Lauf wie sonst, aber auch kein Tempobolzen „weil ich das mal wieder machen m√ľsste“, sondern schlichtweg gut unterwegs und die Natur der Gro√üstadt genie√üen.

Beim Laufen – vor allem bei anstrengenden L√§ufen wie heute oder auch bei Wettk√§mpfen – kommt mir oft die Frage in den Sinn, warum ich das eigentlich mache. Am Ende eines Laufs stehe ich wieder da, wo ich angefangen habe. Total sinnlos das Ganze, oder nicht? Es w√§re so einfach stehenzubleiben um zur Ruhe zu kommen; keine Runde mehr hinten anzuh√§ngen oder schlichtweg √ľberhaupt gar nicht erst loszulaufen. Bequem zu sein.
Gesundheit? Fitness? Ein langes Leben? Das sind doch Pseudogr√ľnde. Ich bin nicht seltener erk√§ltet oder sonstig krank als ohne das Laufen. Stattdessen habe ich zwischendurch immer mal das eine oder andere Problemchen, dass sich uneingeschr√§nkt aufs Laufen zur√ľckf√ľhren l√§sst. Fit sein ist ein gutes Gef√ľhl, ok. Und langes Leben? Wer wei√ü schon was passiert und ob ich √ľberhaupt 80 oder 130 Jahre alt werden will.
Nennt mich unvern√ľnftig, unreif, selbstverliebt oder wie auch immer. Aber die einzige Antwort, die sich bisher dauerhaft halten konnte ist: mein Ego! Zig km ans Aufh√∂ren zu denken aber es doch nicht zu tun und anschlie√üend unter der Dusche zu sp√ľren, was die Muskeln geleistet haben ist schlichtweg ein verdammt cooles Gef√ľhl. Und das ist mir auf alle F√§lle wichtiger als das Wissen etwas f√ľr meine Gesundheit getan zu haben. Das ist bestenfalls ein positiver Nebeneffekt. Warum nehmen sonst so viele Leute an Wettk√§mpfen teil, obwohl doch maximal eine Handvoll an L√§ufern das Zeug dazu hat den Sieg zu holen? Die meisten wollen sich einfach selbst etwas beweisen, ob das nun das Bew√§ltigen einer Distanz oder ein bestimmtes Zeitziel ist. Wettk√§mpfe l√§uft man nicht f√ľr ein hohes Sterbealter – Wettk√§mpfe l√§uft man f√ľr’s Ego.




Sind wir bald da?

Oder: Die Langeweile des Langstreckenläufers

Als ich mich dazu entschoss, auf einen Marathon hin zu trainieren,¬†entdeckte ich sehr schnell den roten Faden, der sich durch s√§mtliche Sach- und Fachliteratur zog: Das wichtigste seien die langen L√§ufe – die m√ľsse man regelm√§√üig durchf√ľhren.
Von meinem ersten Lauf √ľber die rund 21 km befl√ľgelt konnte ich mir nicht vorstellen, was daran letztlich so schlimm sein sollte. Dennoch hatte ich in den ersten Wochen immer wieder Hemmungen (oder ach so glaubw√ľrdige Ausreden), die einen geplanten Lauf √ľber 15 und mehr Kilometer verhinderten.

Meiner bisherigen Erfahrung nach ist der lange Lauf gar nicht so schlimm – das Problem ist vor allem, ihn geplant durchzuf√ľhren. Zum Beispiel jeden Samstag Vormittag. Egal, ob es regnet, gewittert, die Sonne scheint oder man am Abend vorher eindeutig zu viele Bierchen¬†getrunken hat. Ausreden darf man nicht gelten lassen, denn¬†am gro√üen Tag des Marathons kann man ja schlie√ülich auch nicht sagen, man w√ľrde den Lauf am n√§chsten Tag nachholen.
Die ersten L√§ufe, die √ľber gr√∂√üere Distanzen gingen, waren, durch meinen mangelhaften k√∂rperlichen Zustand bedingt, immer noch eine ziemliche Herausforderung, doch damit auch sehr motivierend. Mittlerweile habe ich jedoch keine Probleme mehr damit, einen solchen Lauf „mal eben“ vorzuziehen, weil ich am Wochenende keine Zeit dazu finden werde. So geschehen an diesem Dienstag, als ich meine 20 Samsatags-km schon einmal abgearbeitet habe.

Viel gravierender als die zur√ľckzulegende Strecke ist f√ľr mich nun die aufkommende Langeweile beim Laufen. Ich laufe eigentlich sehr gern und die ersten zehn bis zw√∂lf Kilometer sind (auch bei schlechter Tagesform) recht entspannt. Danach f√§ngt das eigentliche Laufen an, doch sp√§testens nach ca. eineinhalb Stunden habe ich schlichtweg Langeweile. Da hilft mir auch kein H√∂rbuch, keine sch√∂ne Naturumgebung und auch keine Laufbegleitung.
Mir graut es ehrlich gesagt ein wenig vor einem Marathon, wo ich dann zwar vielleicht k√∂rperlich fit bin und keine Probleme habe diese Distanz zu bew√§ltigen, aber mich¬†zwei oder mehr Stunden gelangweilt durch die Gegend ziehen muss. Da werde ich mir wohl noch eine L√∂sung einfallen lassen m√ľssen.