Archiv der Beiträge von Juli 2009

FrĂŒh am Tach

Ich hĂ€tte nicht gedacht, dass eine Erkenntnis so lange brauchen kann bis sie einen ĂŒberfĂ€llt – aber bei mir hat es anscheinend etwa ein halbes Jahr gedauert um festzustellen, dass die „gewohnte“ Runde am Abend sich nicht mehr vernĂŒnftig umsetzen lĂ€sst. Meist ist die Zeit zu knapp, der Tag zu anstrengend oder die Ausrede zu ĂŒberzeugend. Dabei ist die Alternative letztlich nur eine Frage der Gewöhnung.

Ein wenig komme ich mir vor wie eins der Produkte auf den TV-ShoppingkanĂ€len. Zwei imaginĂ€re, schlecht synchronisierte und ĂŒberschwengliche Moderatoren peitschen sich gegenseitig an und finden es „einfach unglaublich“ dass sich die Probleme der westlichen Welt damit lösen lassen, einfach mals morgens frĂŒher aufzustehen und sofort in die Laufklamotten zu hĂŒpfen. Wirklich revolutionĂ€r ist der Gedanke nicht, aber fĂŒr mich doch eine ziemliche Umstellung.
Ich gebe zu ich empfinde es auch immer noch als schwierig mich dafĂŒr extra eineinhalb Stunden eher aus dem Bett zu quĂ€len, nur um dann nĂŒchtern und rund 20 Sekunden langsamer pro Kilometer als abends mich durch die Landschaft zu strampeln.

Doch wann wenn nicht jetzt im Sommer, wo es auch um fĂŒnf schon hell ist und meistens vernĂŒnftiges Wetter herrscht? Im Winter werde ich noch weitaus mehr Probleme haben mich aufzuraffen. Daher ist es nun wichtig die morgendlichen Runden zur Routine werden zu lassen. Erste Erfolge haben sich immerhin schon gezeigt: In der ersten JulihĂ€lfte bin ich auf gut 70 km gekommen, fast doppelt so viel wie im gesamten Juni.
Mit den neuen Schuhen und vielleicht endlich mal wieder einer lĂ€ngeren Zeit ohne gesundheitliche SportverhinderungsgrĂŒnde bin ich so hoffentlich bald wieder auf einem Level meine geliebten langen LĂ€ufe am Wochenende angehen zu können.




Bloggeburtstag

Asics Gel Cumulus 11Satte zwei Jahre ist es nun her, dass ich den ersten persönlichen Beitrag ins Netz gestellt und so in die Gemeinde der Blogger eingetreten bin. Zwei Jahre vollgepackt mit Zielen, Erfolgen, Niederlagen, Neustarts und dem ganzen laufbezogenen emotionalen Striptease der damit zusammenhĂ€ngt. Einen umfassenden RĂŒckblick kann man sich sparen, denn kurz lĂ€sst sich die Zeit so zusammenfassen: Ein Jahr war cool, das andere zum Kotzen.

In den zwei Jahren hat sich fĂŒr mich eine ganze Menge geĂ€ndert. So konnte ich am Anfang problemlos viel Zeit ins Laufen investieren (meist auch völlig frei in der Wahl der Tageszeit) und einen körperlichen Zustand erreichen, der mir aus heutiger Sicht wie von einer anderen Person vorkommt. Die RealitĂ€t holt einen in den meisten FĂ€llen aber wieder ein und so hat sich die relaxte Studentenzeit – wie fĂŒr viele andere auch – in einen zeit- und arbeitsintensiven Alltag verwandelt, der nicht immer den Raum lĂ€sst ‚mal eben‘ noch 15 km zu trainieren.
Insgesamt bin ich aber dann doch ein wenig stolz auf diese Zeit und auch den Zuspruch den mir der ein oder andere hin und wieder hat zukommen lassen.

Mehr weil es nötig war denn dass es im Zusammenhang mit dem heutigen Tag stehen wĂŒrde, habe ich mir gestern ein neues Paar Laufschuhe gegönnt. Zur Zeit habe ich nĂ€mlich ansonsten nur noch zwei Paar „normale“ Laufschuhe: Zum einen ein Paar mittlerweile recht mitgenommener Adidas, und zum anderen ein eigentlich zum Ausmustern geeignetes Paar von Saucony. Aber damit habe ich meinen Marathon gelaufen – daher steht diese Option natĂŒrlich nicht zur Debatte.

Gute Schuhe mĂŒssen aber sein und daher ging es fĂŒr mich zur Laufbandanalyse nach Runners Point. Einige Paare wie immer Probe getragen, doch die Entscheidung war schnell getroffen: Die Asics Cumulus sind meine Schuhe! Mein bereits drittes Paar von Asics und vom ersten Anprobieren so, als wĂ€ren die Schuhe nur fĂŒr meine FĂŒĂŸe gemacht.

Den heutigen Tag habe ich dann mit einer nostalgischen Runde begangen: Die gut 16 km lange Strecke, auf der ich in der Marathonvorbereitung meine langen LĂ€ufe bestritten habe wollte ich schon eine ganze Weile mal wieder angehen. Heute hatte ich dann die Gelegenheit. Zuletzt lief es sich ja wieder ganz gut und so hatte ich auch Hoffnung die Distanz zu bestehen. Unterwegs immer wieder Regenschauer. Dennoch ĂŒber 20 °C, weshalb es sich teils drĂŒckend warm anfĂŒhlte.
Dass ich beim Marathon so gut vorbereitet war, lag zu weiten Teilen auch an dieser Strecke. Ich hatte ganz vergessen wie viele Höhenmeter man (trotz Großstadtumgebung) bewĂ€ltigt. Am Ende musste ich dann doch etwas kĂ€mpfen. Schließlich sind meine gegenwĂ€rtigen Hausrunden allesamt flach.

1:34:13 h fĂŒr 16,16 km sind am Ende auch eine ordentliche Zeit. So bleibt am Ende doch vor allem die Erkenntnis, dass ich immer noch weit laufen kann wenn ich denn die Zeit dafĂŒr finde. Ein bisschen Gas geben muss ich aber, denn es hat bis zum heutigen 12. Juli gedauert die ersten 500 km des Jahres hinter mich zu bringen. FĂŒr 1000 km insgesamt ist da also noch Verbesserungsbedarf.




sechs null neun

Das war ja mal wieder ein bescheidener Monat: Der Wille eine Woche unbedingt noch mit ein paar Kilometern mehr abschließen zu wollen bewirkte, dass der Rest des Monats ĂŒberhaupt nicht mehr gelaufen werden konnte. So ein bisschen habe ich ja schon die Seuche am Fuß. Oder wie kann es sein, dass ich mir in einer halben Stunde meinen Fuß sowas von aufscheuere, dass die nĂ€chsten zwei Wochen an Laufen nicht mehr zu denken ist?

So komme ich im Juni auf bemitleidenswerte 38,7 km! Ganz schön bitter wenn man bedenkt, dass ich auch mal weit ĂŒber 200 in einem Monat gelaufen bin. Leistungen scheinbar wie aus einem anderen Leben. Oder das von jemand anderem.

Nach Auskurierung meiner Fußverletzung habe ich wenigstens wieder angefangen ein wenig in Bewegung zu kommen, so wird vielleicht der Juli etwas aktiver.

Den Anfang machte ich mit einem Lauf ĂŒber acht Kilometer, der so anstrengend war, dass ich zeitweise dachte ich wĂŒrde es nicht zurĂŒck schaffen. Zum GlĂŒck habe ich aber erstens einen halbswegs ausgeprĂ€gten Durchhaltewillen und zweitens mich somit geirrt.
Und weil eine Herausforderung nicht gereicht hat, ging es am Samstag Nachmittag direkt an die nĂ€chste Aufgabe: Ich wollte unbeding zeigen, dass ich immer noch ĂŒber eine Stunde am StĂŒck laufen kann – und dann auch direkt 12 km. Das Ganze stand natĂŒrlich unter den Voraussetzungen immer noch Muskelkater vom vorhergehenden Lauf zu haben – und dass ich nachmittags bei knapp dreißig Grad in der prallen Sonne lief. So ging es auch voran: Schon zum Start hatte ich das GefĂŒhl kaputt und ausgelaugt zu sein. Doch wiederrum hielt ich durch und kam völlig platt aber insgeheim stolz zu hause an.

Was manch einem wie der Himmel auf Erden erscheinen mag ist (wie ich schon öfters bekannt habe) nicht so wirklich meins: frĂŒh morgens laufen. Doch um dem vollen Terminkalener zu entkommen startete ich mit einem weiteren 8-km-Lauf um halb sechs am Dienstag in die neue Laufwoche. Im RĂŒckblick ein schöner Lauf. Zwar zu frĂŒh um das Ganze tatsĂ€chlich unter „Leistung“ abzuheften, doch mit der glutrot aufgehenden Sonne im RĂŒcken sehr stimmungsvoll. Vor allem, als auf einmal ein Reh vor mir auf dem Weg stand. Ein kurzer Blick, dann trabte es gemĂŒtlich wieder in den Wald. Wenn ich doch öfter den Elan hĂ€tte mich zu solchen LĂ€ufen aufzuraffen…