Archiv der Beiträge von August 2009

Qualifikation

Aus meiner mittelm├Ą├čigen Verfassung heraus hatte ich ja mein pers├Ânliches Olympia beschlossen. „Dabei sein ist alles“ auf mindestens noch drei Wettbewerben dieses Jahr. Die Qualifikation f├╝rs ganze stand gestern auf dem Programm: Der Ruhrauenlauf in M├╝lheim. Ein zehn Kilometer langer Volkslauf, den ich aus zwei Gr├╝nden ausgew├Ąhlt habe. Zum einen habe ich hier meinen allerersten Wettkampf ├╝berhaupt bestritten (2007) und zum anderen ist die Strecke selbst wirklich laufenswert (zumindest, wenn die Streckenf├╝hrung nicht wegen Hochwassers ge├Ąndert wird, wie 2007 geschehen). Der Lauf ├╝ber die 10 km ist stets auf zwei L├Ąufe aufgeteilt. Den ersten nehmen diejenigen, die mit einer Zielzeit von maximal 50 Minuten an den Start gehen. Wer langsamer ist, w├Ąhlt den B-Lauf, welcher f├╝nf Minuten sp├Ąter startet. W├Ąre ich vor einem Jahr noch im ersten Lauf gestartet, fiel die Wahl dieses Mal auf den zweiten. Schon im Vorfeld hatte ich mich entschieden, den Entschluss entspannt zu laufen, damit umzusetzen, dass ich meine Uhr direkt zu Hause lie├č. Zum Start war ich v├Âllig entspannt, stellte mich einfach irgendwo in das Feld und lief los. Nat├╝rlich ging es direkt einiges schneller voran, als ich das normalerweise unter „entspannt“ einordnen w├╝rde. Aber unter Wettkampfbedingungen nimmt man das ja ohnehin anders wahr. Das Wetter war warm, die Sonne aber gr├Â├čtenteils hinter kleineren Wolken verschwunden und somit herrschte praktisch das perfekte Wetter f├╝r einen Sommerlauf. Die sch├Âne Strecke tat ein ├╝briges um sich unterwegs wohlzuf├╝hlen. Ebenso gab es zwei Wasserstellen, die meiner pers├Ânlichen Neigung nach allerdings etwas zu fr├╝h kamen. Beim Laufen im Warmen sich etwas k├╝hles Wasser ├╝ber die Arme und den Kopf laufen lassen zu k├Ânnen ist aber nat├╝rlich immer willkommen. Erschreckend fand ich jedoch wie r├╝pelhaft einige Leute sich ihren Weg bahnten. Eine „Dame“ fiel mir besonders (negativ) auf: W├Ąhrend ich sie auf einem l├Ąngeren St├╝ck bergauf ├╝berholt hatte, schnaufte sich sich auf dem Weg bergab an mich heran und schnitt so knapp vor mir in die Kurve, dass ich aus dem z├╝gigen bergab laufen zum stehen kommen musste um nicht im Zaun der Wegbegrenzung zu landen. Sicherlich kein r├╝hmliches Verhalten f├╝r Sportler, die im direkten Zweikampf um Platzierungen, Preisgeld oder ├Ąhnliches k├Ąmpfen. Aber wieso muss so etwas auf unserem Leistungsniveau sein? Es bleibt das Gute Gef├╝hl zur├╝ck, dass ich schlie├člich doch vor ihr ins Ziel gekommen bin, denn wie eigentlich immer kam ich erst in der zweiten H├Ąlfte des Rennens so richtig in meinen Schritt und wurde zusehens schneller. Um das festzustellen brauchte ich noch nicht einmal eine Uhr. Doch wie schnell w├╝rde es am Ende tats├Ąchlich sein? Die Ironie des Ganzen ist, dass ich meiner Liebsten gesagt hatte, ich w├╝rde mich freuen unter 60 Minuten zu bleiben. Ihre Aussage ich k├Ąme in 55 an konnte ich nur bel├Ącheln. Nach dem Rennen allerdings konnte ich sie lange Zeit nicht finden: Sie hatte sich bei 55 Minuten auf der Uhr an den Zieleinlauf gestellt. Bl├Âd, denn da war ich (wie ich sp├Ąter feststellte) schon vorbei gewesen. 53:17 min habe ich laut offizieller Zeitmessung gebraucht und bin damit deutlich unter meinen Erwartungen Hoffnungen geblieben. Zufrieden bin ich damit sicherlich; war ich w├Ąhrend des Laufs doch stets weit unterhalb der Leistungsgrenze. Damit habe ich mich wie ich denke f├╝r einen vern├╝nftigen Hauptlauf qualifiziert. Ein wenig Trainig (vielleicht auch wieder auf der Bahn) vorausgesetzt, sollte ich dieses Jahr eigentlich problemlos wieder unter 50 Minuten kommen k├Ânnen.




Fr├╝h ├╝bt sich

Nach den beiden L├Ąufen vom Wochenende f├╝hlte ich mich ein klein wenig verpflichtet vor dem offiziellen Lauf am morgigen Samstag noch etwas zu trainieren. Daher habe ich mich wieder einmal fr├╝h morgens aufgerafft. Dabei stellte ich fest: Ein bisschen wieder in Tritt gekommen sind meine Beine gar nicht so mies drauf. Und: Es wird Herbst. W├Ąhrend ich zuletzt noch zum Sonnenaufgang um halb f├╝nf aus dem Haus gehen konnte muss ich nun schon eine gute Stunde l├Ąnger warten um mir im Wald nicht den Hals zu brechen. Irgendetwas ist ja immer…




Olympia

Das Jahr ist mittlerweile erschreckend weit fortgeschritten. Unweigerlich n├Ąhert sich die Herbstsaison mit ihren unz├Ąhligen Wettk├Ąmpfen ├╝ber die verschiedensten Distanzen. Entgegen meiner Planung bin ich weit davon entfernt dies als Leistungsphase anzugehen. Daher m├Âchte ich mich zumindest mit dem olympischen Gedanken der Verlierer „Dabei sein ist alles!“ an die Sache heranwagen. 2007 habe ich vier Wettk├Ąmpfe ├╝ber die 10 km Distanz absolviert. Das m├Âchte ich auch 2009 noch angehen.

Den Anfang will ich mit dem f├╝r mich sehr r├╝hrseligen Ruhrauenlauf in M├╝lheim a. d. Ruhr machen. 2007 war dies mein erster Wettkampf ├╝berhaupt, 2008 musste ich aus gesundheitlichen Gr├╝nden auf den Start verzichten. Ohne Zeitvorgabe (ok, unter 1 h w├Ąr‘ schon nicht schlecht) um einfach nur mal wieder Athmosph├Ąre zu schnuppern.

Zur Einstimmung habe ich am gestrigen Samstagmorgen vor dem Fr├╝hst├╝ck eine langsame Runde ├╝ber zehn Kilometer zur├╝ckgelegt. Wie immer bei meinen n├╝chternen L├Ąufen einen ganzen Tacken langsamer als zu „normaler“ Uhrzeit. So standen am Ende unr├╝hmliche 1:02:03 h auf der Uhr. Aber positiv denken: Ich kann L├Ąufe von ├╝ber einer Stunde;-)

Warum bin ich eigentlich so hei├č auf Wettk├Ąmpfe? Das Geheimnis liegt eigentlich nur darin, dass ich auf meinem Rechner ein paar Bilder von meinem Zieleinlauf beim Marathon wiedergefunden habe. Abgesehen von den Erinnerungen an diesen Augenblick gepaart mit ein klein wenig G├Ąnsehaut hat das mal wieder eine ziemliche Unzufriedenheit mit meinem derzeitigen Zustand hervorgebracht. Aber von nichts kommt nichts*, also heute direkt mal wieder eine Runde laufen…




sieben null neun

Sp├Ąt, reichlich sp├Ąt traue ich mich an den Monatsr├╝ckblick zum Juli. Dabei ware es gar nicht sooo schlimm. Mit immerhin 94,5 km habe ich fast so viel Strecke zur├╝ckgelegt, wie in den beiden Monaten zuvor gemeinsam. Dennoch: Gegen Ende des Monats machte der K├Ârper mal wieder Probleme und zickte gegen weitere Belastungen.

Letztlich bleibt f├╝r den Juli immerhin eine Leistung, die weit ├╝ber denen der Vormonate liegt und daher als Aufw├Ąrtstrend durchaus positiv zu betrachten ist. Wie ich allerdings auch schon zuvor geschrieben habe: Not mit Elend zu vergleichen l├Ąsst die Sache besser aussehen als sie ist. Eine Monatsleistung unter 100 km ist und bleibt zu wenig.

Den Schnitt, den ich f├╝r meine angepeilten 1000 Jahreskilometer ben├Âtige, erreiche in den seltensten Wochen. Schade, bin ich doch eigentlich motiviert und habe auch Freude am Laufen. Ich schaffe es nur immer wieder viel zu wenig mir die Zeit daf├╝r freizur├Ąumen. Eine Entschuldigung daf├╝r gibt es auch nicht: Wenn unser Exau├čenminister es seinerzeit zur Marathonvorbereitung geschafft hat sollte unsereins nicht mit bl├Âden Ausreden kommen. So wei├č ich zur Zeit nicht so genau wer ├╝berhaupt willig ist – Geist oder Fleisch? Oder sind einfach beide schwach?

Nachtrag: Nach den zehn Kilometern von gestern ging es heute wieder auf die gleiche Runde. Die Zeit mit 1:02:20 h noch einmal langsamer als zuvor, wenn auch dieses Mal mit Gehpausen, weil die Beine einfach zu m├╝de waren. Bittere Erkenntnis eine Woche vor einem 10er Wettkampf.




Weichei?!?

Da bin ich doch tats├Ąchlich ein paar Tage lang voll Elan immer fr├╝h aufgestanden und habe es geschafft sogar zu unglaublicher Fr├╝he Runden von 10 km zu laufen. Sch├Ânes, warmes und sommermorgendliches Wetter hatten mitsamt der aufgestauten Motivation geholfen den inneren Schweinehund zu besiegen. Doch wenn man nichts Gutes mehr gewohnt ist tut man sich schnell zu viel an. Eine Entz├╝ndung der Fu├čsehnenplatte war die Folge. Oder l├Ąuferumgangssprachlich: Plantarfasciitis.

Insgesamt wirklich sehr unangenehm. Vor allem wenn man seit einem halben Jahr endlich mal wieder ein gutes Gef├╝hl beim Laufen entwickelt. Eine derartige Verletzung hatte ich auch fr├╝her schon, wenigstens war es dieses mal nicht allzu langwierig. Dennoch ist das eine unsch├Âne Geschichte: Der Fu├č l├Ąsst sich nicht schmerzfrei abrollen und so wird auch normales Gehen schnell zum Problem.

Die Folgen sind nat├╝rlich offenkundig: Den gut begonnenen Juli habe ich in der zweiten H├Ąlfte v├Âllig vergessen k├Ânnen und stehe unterm Strich mal wieder mit gerade 94,5 km in einem Monat dar. Das ist zwar fast so viel wie in Mai und Juni zusammen, aber Not mit Elend zu vergleichen macht die Sache ja nicht besser.

Gestern hatte ich dann endlich wieder den Mut (und die Zeit) meine Laufschuhe zu schn├╝ren. Es war ein noch halbwegs sch├Âner sommerlicher Fr├╝habend. Nur die Luft war wieder viel zu feucht. Geplant hatte ich – wie bei einem der besseren L├Ąufe im Juli – die hiesige Halde zu erklimmen. Weit w├Ąre es nicht gewesen, nur steil bergauf. Doch schon nach einem Drittel der H├Âhe musste ich pumpend aufgeben.
Als offensichtliches Weichei wollte ich mir dann den Erfolg die Aussicht von oben zu genie├čen nicht mehr g├Ânnen. Daher an dieser Stelle das Gel├Âbnis: Den Ausblick gibt’s erst wieder, wenn ich den Aufstieg ohne Zwischenpause schaffe. Das sollte eine kleine Motivation sein ein wenig was an der Kondition zu tun, denn Weitblick und Freiheitsgef├╝hl wie dort oben findet sich in der hier ansonsten relativ flachen Gegend nur schwierig.

Wenigstens ging es nach der deprimierenden Ankunft auf dem Boden der Tatsachen noch ein paar Kilometer weiter auf flacher Strecke. So kam ich am Ende auf 10,15 km die in erwartet langsamen 1:00:20 h beendet waren.

Nach dem Lauf war ich dann doch sehr nachdenklich. Wie kann es gewesen sein, dass es mir so leicht fiel „mal eben“ zwei Stunden zu laufen. Oder dass sich dieses freie und entspannte Gef├╝hl beim Laufen immer so schnell eingestellt hat, w├Ąhrend ich jetzt beim Laufen eigentlich nur noch die Anstrengung besiege? Wie stark sich ein k├Ârperlicher Zustand doch entwickeln und auch wieder verfallen kann. Am Schluss bleibt von Motivationsbekundungen immer nur wenig ├╝brig, wenn sie nicht in tats├Ąchliche Laufeinheiten umgesetzt werden.