Archiv der Beiträge von August 2010

Jede PfĂŒtze mitnehmen

SchlammWarum ich die letzten Tage so laufunwillig war? Ich weiß es nicht. Eigentlich kann es am Regen nicht liegen, denn der hat mich (zumindest was das Laufen angeht) eigentlich noch nie groß gestört. Im Gegenteil: Der hiesige Boden weicht wunderbar auf bietet so reichlich Gelegenheiten sich richtig einzusauen. Grund genug die Trailschuhe aus dem Schrank zu holen und die Wege ohne PfĂŒtzenslalom, sondern gerade durch zu beackern. Böse Blicke erntet man allenfalls vom Damenwalktreff, der sich beim HindurchschlĂ€ngeln zwischend den PfĂŒtzen beim GĂ€nsestockmarsch behindert fĂŒhlt.

Trotzdem hoffe ich, dass der Regen sich nun noch eine Weile verzieht und mir ein wenig Sonnenschein im SpĂ€tsommer gegönnt ist. Dann klappts bestimmt auch wieder mit dem Einstieg in den Trainingsplan. Vielleicht habe ich mich von jetzt auf gleich auch einfach zu sehr gefordert. Die MarathontrĂ€ume fĂŒr das nĂ€chste FrĂŒhjahr stehen allerdings noch – also sollte ich mir zu viel Zeit fĂŒr Lustlosigkeit auch nicht gönnen.




Unlust

LichtspieleUnd wieder etwas neues fĂŒr mich: Gestern fand der alljĂ€hrliche Ruhrauenlauf statt, an dem ich bisher auch schon zwei Mal teilgenommen habe. Aus purer Unlust jedoch habe ich ihn dieses Jahr sausen lassen. Schnell laufen, Wettkampf, Hektik – mir war einfach nicht danach. Und auch wenn das nur eine schwache Ausrede ist: Vielleicht war das ganz gut, denn den Nachmittag ĂŒber wurden uns mehrere Gewitter und heftigste Regenschauer beschehrt.
In ungewohnter KĂŒhle bin ich am Abend dann doch noch rund eine dreiviertel Stunde gelaufen; durch die Schwaden der aufsteigenden Feuchtigkeit in der Abendsonne.

Was mag nur mit mir los sein? Die Motivation der letzten Wochen scheint wie verflogen, stattdessen sind die Beine schwer und die Ausreden, um nicht zu laufen, erstaunlich plausibel. Aber gute Zeiten wechseln sich mit schlechten ab – so ist das nun einmal. Und solange ich selbst in schlechten Zeiten noch 20, 30 Kilometer in der Woche unterwegs bin, ist das schließlich Jammern auf hohem Niveau.




Nahalpin Run

AllgĂ€uWenn sich besondere Gelegenheiten bieten, sollte man diese auch nutzen. Von der Arbeit aus ins AllgĂ€u gesandt, habe ich es mir nicht nehmen lassen, auch hier meine Runde zu drehen. In Sichtweite der Berge (wenn auch leider von Wolken verhangen) lief es sich trotz der ungewohnt vielen Höhenmeter leicht und zĂŒgig.
So grĂŒn es bei mir am Rande der Ballungen des Ruhrgebiets auch schon sein mag – die heile bayrische Welt scheint wie von einem anderen Planeten: Wenig Verkehr, dafĂŒr Kuhglocken und Trachten; mein Alltag unterscheidet sich doch ziemlich von den Bedingungen hier. Immer wieder erstaunlich, wie abwechslungsreich Deutschland sein kann.

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Dauerlauf im Dauerregen

RegenSeit nunmehr einigen Tagen hat der Regen Einzug gehalten. Das warme und sonnige Wetter scheint erst einmal vorbei zu sein, stattdessen herrschen Wolken vor. Das Wochenende verlief lĂ€uferisch fĂŒr mich nicht ganz wie gewĂŒnscht. WĂ€hrend der Lauf am Freitag abend noch relativ okay war, ging am Samstag nicht mehr viel. Geplant war eigentlich ein weiterer 20er gewesen, doch bereits nach elf Kilometern brach ich ab, da sich ein leichtes, aber permanentes Stechen im Knie bemerkbar machte. Außerdem fĂŒhlte ich mich leer und ausgelaugt. Vielleicht brauchte der Körper tatsĂ€chlich mal etwas Zeit zum Regenerieren nach den Anstrengungen der letzten Wochen. Denn auch am Sonntag war kein Blumemtopf zu gewinnnen: Die fehlenden neun Kilometer nachzuholen war nicht drin.

Umso erstaunlicher, als ich mich gestern wieder frisch und fit fĂŒhlte. Im Dauerregen lief ich „lockere“ gut zehn Kilometer, wobei ich trotz entspannten Laufstils sehr schnell bei 5:45er Zeiten angekommen war. Was Ruhe und Regeneration doch ausmachen können! Und wieder einmal merke ich, dass man zwischendurch auch mal auf seinen Körper hören muss. Manche Pause ist schlichtweg nötig – egal was gerade auf dem Trainingsplan steht.




Man muss nur wollen

SonnenuntergangAbstand – das war das Ziel des vergangenen Wochenendes. Umgesetzt durch die Möglichkeit, zwei Tage in Butjadingen an der Nordsee zu verbringen. NatĂŒrlich hatte ich die Laufschuhe mit um mir nach einer gefĂŒhlten Ewigkeit wieder einen Lauf am Wasser zu gönnen. Nach den LĂ€ufen der letzten beiden Wochen hatte ich mir die Vorgabe aufgestellt, erst zu wenden, wenn die 405 mir das Erreichen von 12,5 km bescheinigt. Sollte ich es nicht zurĂŒck schaffen, hĂ€tte ich im Notfall die Möglichkeit gehabt, mich abholen zu lassen. Doch wer will sich einer solchen Schmach hingeben?

Bei meist sonnigem und dann auch sehr warmen Wetter ging es los. Die Beine waren zwar ohnehin schon einigermaßen mĂŒde, doch im immergleichen Trott ging es stets weiter vorwĂ€rts. Mit dem Hörbuch auf den Ohren und dem Deich zur Seite gingen die Kilometer unbemerkt vorbei und in entspanntem Tempo erreichte ich schließlich den Wendepunkt. Kurz rauf auf den Deich, Fotos machen und die Aussicht genießen. Dann ging es auf den RĂŒckweg.
Der Hinweg hatte zwar leichten Gegenwind geboten, damit allerdings auch KĂŒhlung. Der RĂŒckweg wurde in der Mittagszeit dagegen zumehmend wĂ€rmer und beschwerlicher. Nach 15 km hatte ich richtig Durst, nach 20 km hĂ€tte der Lauf rĂŒhmlich enden können. Doch ich trieb mich weiter, langsam und stetig. Und so gingen die Straße – alle 100 m entsprechend beschildert – quĂ€lend langsam nur an mir vorbei. Der letzte Kilometer hatte mit laufen nicht mehr allzu viel zu tun. Doch ich habe durchgehalten und bin angekommen; nach akzeptablen 2:37 h. Um dem Ganzen auch noch die Krone aufzusetzen habe ich mit diesem Lauf gleich auch noch die 1.000 Jahreskilometer vollgemacht. Man muss halt manchmal einfach nur wollen.




ZurĂŒckgelassen

Die vergangenen Tage waren sehr schwierig und von Traurigkeit geprĂ€gt. Es gibt Ereignisse, auf die man sich nicht vorbereiten kann. Abstand und Stille nach außen mögen eine Möglichkeit sein, mit Unerwartetem fertig zu werden. Auf der anderen Seite steht das hohe Gut, Trost spenden, aber auch empfangen zu dĂŒrfen.

Ein Lauf ĂŒber altbekannte Wege, Ablenkung durch IntensitĂ€t bis hin zur völligen körperlichen Erschöpfung. Intervalltraining und lange LĂ€ufe bringen Belastungen, wie ich sie mir lange nicht mehr zugemutet habe und vertreiben die Schwere zumindest fĂŒr kurze Zeit. Das mag meine Art der BewĂ€ltigung sein.
Was bleibt, sind Erinnerungen gegen das Vergessen und die Hoffnung, die geschenkte Zeit genutzt zu haben.